Chat on language between two speakers in anywhere-land

When people with dementia want to speak and be heard, and be listened to, they often face a discriminatory predicament: other people see them typically as living in a „world of their own“. But by far they aren’t, and every individual affected by dementia is as different as they have been before the onset of their ‚disability‘ or rather ‚other abledness‘.

I work as a volunteer in the health care sector, one of my activities is supporting persons with dementia. My work with this one special individual, one outstandingly beautiful woman, leads me to write about her situation. Maybe I will add more of my experiences, I am not sure yet.

She and I decided we want to speak about the predicament faced when cast out of „normal“ society due to a mental/neurological ‚disabilty‘, and we decided together that we call her Miranda as an alias. I am using notes I made, and through the translation of this into English a lot is lost of the beauty of Miranda’s laguage.

Me: I think our language can be totally free, and I think we do need a free language.

Miranda: Yes, they can’t negate this. They could, but they will not believe that when they destroy this they won’t even be able to speak themselves.

Me: I know. Language is often so tight, that it chokes the speaker’s reality in feeling and peception.

Miranda: They take it and empty it, and finally I just need to get to the end of that. They however don’t manage to give them the little shallow winks they need. So they just spread things out and hit the borders all the time. But they don’t realize this and make things sound conspiratively warped. (We chuckle.)

Me: I need to get to the same or a similar goal … we share our basic problems in the end of the day all to some extent.

Miranda: Yes. (Smiles)

Me: Do you think we can claim to be in the right to make our language a lingua franca, a free flexible way of speaking with each other?

Miranda: Yes of course, but they evade this and dry it up … and they don’t save the aspects remained, when they can’t but stay out. But why do they smother us, and press and push like the little kids when they press them down, this is gross, when they already have these powerful flesh-throttles, hollow, as they perform with it all.

Me: It’s our love for the sayable unsayable.

Miranda and I chuckle. She is grande, yet worried. Silence, pause.

Image: source (23.02.18)

 

Eine Frage, die mit einer Frage beantwortet werden muss … Haben Tiere Vernunft und können Tiere denken?

Eine Frage, die mit einer Frage beantwortet werden muss

Haben Tiere Vernunft und können Tiere denken?

Die Frage müsste eigentlich richtigerweise lauten: Was ist Vernunft und was bezeichnen wir als Denken? Um den Fall mittels Analogie zu umschreiben, könnte man darauf hinweisen, dass es im Patriarchat die sexistisch motivierte Verneinung weiblicher Vernunft gab und teilweise noch gibt. Und dass das, was uns im Speziesismus entgegenschlägt, nunmehr eine biologistische Barriere unseres Konzepts des „Denkens“ ist.

Nichtmenschliche Tiere hat man der Wildnis zugeordnet (im Griechischen gab es dafür den „das allgemein lebendige“ bezeichnenden Begtiff des „Zoe“), Menschen aber bildeten stets eine Gruppe potenzieller Interessensgemeinschaft, die eine Herrschaft über die Natur anstrebte als etwas „besiegbares“ und „ausbeutbares“  und als etwas, gegen das sich menschliche „Tugendbegriffe“ und Moralkodizes abheben würden. Ein gesamtes politisches Konzept konnte in dem Sinne auf einem Spezies-Kontraktualismus errichtet werden (dem Zustand des „Bios“, d.h. dem nur dem Menschen zugedachten Leben qualitfizierter und daher politischer Fähigkeit, im Sinne einer Abgrenzung von der „Wildnis“ der Natur).

Doch zurück zur Vernunft: Zu unterschiedlichen Zeiten und in den unterschiedlichen Kulturen gab es auch verschiedene Konzepte dessen, was Menschen unter „Denken“ und „Vernunft“ verstanden haben. Und solche Konzepte spiegelten sich in menschlichen Vorstellungen über gesellschaftliche, philosophische und religiöse Ideale. Am auffälligsten sind die sich kontastierenden Unterschiede in der „Vernunft“ zu entdecken im geschichtlichen Hintergrund des Denkens im Fernen- und Mittleren Osten, in Europa und dem Westen.

Die allen gemeinsame Trennung zwischen Menschen und Tieren muss aber ein sehr frühes Moment in der Menschheitgeschichte konstituiert haben.

Hannah Arent fasste eine Beobachtung über diese Art radikaler Trennung in einem ihrer Gedankenfragmente zusammen:

”Solidarität: Alle Solidaritätsbegriffe tragen noch deutliche Spuren der ersten und ursprünglichsten Solidarität aller Menschen (also des Menschen) gegen die Natur. Solche Solidarität von Einem gegen alles Andere ist aber unter Menschen nie erlaubt. Es gibt keine unbedingte Solidarität. Das ‚wir sitzen alle in einem Boot’ ist ein Beispiel der falschen, verabsolutierenden Solidarität.
Der Gruppenbegriff mitsamt seiner Bezogenheit auf die Teil-Ganzes-Kategorie stammt aus der Solidarität des Menschen gegen die Natur.” [1]

Meine eigentliche Frage lautet nun also:

Könnte es sein, dass das Konzept über Vernunft und Denken gespalten wurde in eine unbezeichnete, ignorierte oder negierte Form der Vernunft, die wir im Nichtmenschlichen- und Naturhaften-Komplex finden? Und dass wir es auf der anderen Seite mit einer Art der Vernunft der besiegenden, beherrschenden Menschheit zu tun haben?

[1] ARENDT, HANNAH, Denktagebuch 1959 – 1973, Erster Band, Hrsg: Ursula Ludz und Ingeborg Nordmann, Piper Verlag, München, 2002, S. 127.

Bild: Eine Radierung von Farangis Yegane, www.farangis.de

Ein Fragment von Palang. Dieser Text als PDF.